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Glühender Stahl und komplexe Schaltanlagen - Roadshow der Wirtschaftsförderung: Schüler gewannen Einblick in Berufsalltag aus erster Hand

Der Landkreis Traunstein ist weit mehr als eine florierende Tourismusregion. Er ist auch ein Top-Standort für viele leistungsstarke Unternehmen mit anspruchsvollen Arbeitsplätzen und tollen Karrieremöglichkeiten.“ Mit diesen Worten warb Landrat Siegfried Walch bei der Vorstellung des neuen Internetportals www.wirtschaftsregion-chiemgau.de vor kurzem darum, junge Leute und Fachkräfte, die einen Ausbildungsplatz bzw. Job suchen, und Unternehmen auf zeitgemäße Weise und effektiver als bisher miteinander in Kontakt zu bringen.

Durch die Initiative von Landrat Walch ist daraus das Projekt „Roadshow“ der Wirtschaftsförderungs GmbH (Wifö) des Landkreises Traunstein entstanden. „Die Grundidee dafür war, Schülern konkret bei einem Rundgang und im direkten Kontakt mit ausgewählten Betrieben zu zeigen, welche Chancen und Möglichkeiten sie mit einer soliden dualen Ausbildung in unserer Region haben“, so Harald Schwarzbach von der Wifö. Wie er weiter erklärt hat der Einblick in die Alltagspraxis und Vielfalt bestimmter, auch neuer Ausbildungsberufe sowie der Kontakt zu gleichaltrigen Auszubildenden nachhaltigen Eindruck bei den Schülern hinterlassen. Manches Vorurteil bzw. Klischee wurde dabei korrigiert.

„Umgekehrt war der Besuch für die Betriebe ein guter Weg zu sehen, wie junge Leute heute angesprochen werden können und wie der Betrieb auf sie wirkt“, erläutert Harald Schwarzbach. Dass Aufklärungsbedarf besteht, belegen aus seiner Sicht die 453 nicht besetzten Ausbildungsstellen im Landkreis, die im neuesten Bericht der Arbeitsagentur genannt sind. Nach aktuellen Zahlen des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages blieben zu Beginn des Ausbildungsjahres 2015/16 im Freistaat sogar rund 11.000 Stellen unbesetzt. In nicht wenigen Betrieben wird die Frage nach Nachwuchs immer drückender.

Für den Auftakt des Roadshow-Projekts hat die Wifö mit der Mittelschule Obing zusammengearbeitet. Diese verfügt bereits über ein gutes Netzwerk zu den Betrieben der Region. In enger Absprache mit Stephan Preis, dem Projektbetreuer an der Mittelschule Obing, wurden für die Schüler der Vorabschlussklassen jeweils drei Vormittagstouren zu je zwei Betrieben im Umkreis des Schulstandorts organisiert. Die jungen Leute gewannen dabei Einblick in unterschiedlichste Branchen.

Unter dem Motto „Handwerk und Dienstleistung“ besuchten rund 15 Schüler mit ihren Begleitern die Schreinerei Daxenberger in Seeon (93 Mitarbeiter/14 Azubis) und den Josephihof in Obing (über 40 Mitarbeiter/1 Azubi), der zu den sieben Senioren- und Pflegeheimen der Mayer & Reif Gruppe in Prien gehört. Die komplexen Abläufe und Anforderungen in einer modernen Großschreinerei, die Simon und Josef Daxenberger erläuterten, versetzten nicht wenige in Staunen. Umgekehrt sorgten persönliche Erfahrungen aus der eigenen Familie im Senioren- und Pflegeheim Josephihof Obing für angeregte Diskussionen über Pflegeberufe.

Lautes Hämmern, Maschinengeräusche, Stahlabstich am Kupolofen und „monstermäßig große“ Fünf-Achs-Simultan-Fräs- und Bohrmaschinen voller Hightech: Sichtlich beeindruckt zeigten sich die 18 Schüler der Tour „Metall und Elektro“ beim Rundgang durch die Werkzeugmaschinenfabrik und Gießerei der Firma Alzmetall in Altenmarkt (350 Mitarbeiter/34 Azubis). Im Anschluss ging es weiter zur Zach Elektro-Anlagen GmbH in Emertsham (108 Mitarbeiter/10 Azubis).  Ausbildungsleiter Thomas Seidl erläuterte dort die Bereiche Werkstatt, Lager, IT-Abteilung und Konstruktion und zeigte die Einsatzbreite von einfachen Schaltplänen bis hin zur komplexen Gebäude- und Prozessleittechnik auf. Bei Baustelleneinsätzen kommen die Mitarbeiter  in ganz Deutschland herum.

Nicht weniger spannend gestaltete sich für zwölf Schüler die dritte Tour „Touristik und Medien“. Bei Rundgängen durch Küche,  Rezeption, Service, Logistik und Reithalle sowie im Gespräch zum Umgang mit Gästen gab der angehende Hotelfachmann David Saremba Einblick in die Alltagspraxis als Azubi im Vier-Sterne-Superior-Hotel Gut Ising (160 Mitarbeiter/7 Azubis). Zugwaggongroße Druckstraßen, riesige Papierrollen, Stapel mit Hochglanzmagazinen und rasant schnelle Sortiermaschinen, aber auch kreative Mediendesigner am Computer erwarteten die Schüler im F&W Druck- und Mediencenter in Kienberg (104 Mitarbeiter/10 Azubis). Dass hier hochwertige Museumskataloge für New York und Fanartikel für den FC Bayern gedruckt werden, wussten nur die wenigsten.

Als positives Ergebnis der Roadshow hoben die Schüler und Projektbetreuer Stephan Preis den hohen Realitätsbezug und den differenzierten Einblick in den Berufsalltag der besuchten Betriebe hervor. „Die Roadshow finde ich sinnvoll, weil man in die Firma kommt und im Gegensatz zu einer Internetrecherche direkt sieht, was sie macht“, erklärte etwa Johannes (15). Miguel (15) könnte sich nach dem Rundgang bei Alzmetall „durchaus vorstellen, in der Fertigung zu arbeiten“.

Wie Harald Schwarzbach erklärte, sind aufgrund des guten Erfolgs im Rahmen der Roadshow weitere Betriebsbesuche in Zusammenarbeit mit anderen Schulen in Planung.