Dank der Oma aus
dem Back-Keller ...

... zur bayernweit bekannten Konditorin

„Durch des, dass i vom Bauernhof bin, is' mir wichtig, dass i a die Molkereiprodukte hernimm, die von do san.“

Die Chefin des Tortenatelier Harrecker ist das beste Beispiel dafür, dass manchen eine berufliche Erfolgsgeschichte einfach vorbestimmt ist. Martina Huber (geborene Harrecker) hat sich von der Hobby-Bäckerin zu einer Konditormeisterin entwickelt, deren Kunst dank des BR Fernsehen sogar weit über die Grenzen des Chiemgau hinaus begeistert.

Wer regelmäßig durch Traunstorf fährt, vermutet kaum, dass es dort noch was anderes als einen Bolzplatz, Einfamilienhäuser und ein paar Bauernhöfe gibt. Aber die kleine Konditorei in der Kaiserstraße ist längst kein Geheimtipp mehr. Persönlich und über das Internet bestellen zahlreiche Hochzeitspaare dort die Torte für den schönsten Tag ihres Lebens. Von den stets frischen Köstlichkeiten im Laden ganz zu schweigen.

Als wir den gemütlichen Laden betreten – Tortenatelier und Pralinengießerei Harrecker – lässt zunächst einmal kaum etwas erahnen, dass wir hier die vielleicht berühmteste Konditorin Bayerns besuchen. Martina Huber ist gerade noch in der Backstube beschäftigt, eine freundliche Verkäuferin bietet uns eine Tasse Kaffee an, während wir auf die Chefin waren. Von den kleinen Tischen aus können wir sie sehen. Zwischen Backstube und Gastraum gewährt uns ein Fenster den Einblick. Martina ist gerade noch dabei eine Torte zu verzieren, während wir noch die fruchtig bunte Auslage bewundern.

Als sie uns dann mit einem herzlichen „Griaß' eich!“ willkommen heißt, kann unser Interview beginnen. Schon gemeinsam mit der Mama hat sie als kleines Mädchen das Backfieber gepackt. Eine Geburtstagstorte, die Martina für ihre Oma gebacken hatte, war dann so gut, dass die Oma meinte: „Du soiadst eigentlich Konditorin wean!“ Bis dahin, sagt Martina, hat sie noch gar nicht darüber nachgedacht. Aber „...von da weg war des tatsächlich dann mei Traumberuf.“

Und der Traumberuf ist es für Martina bis zum heutigen Tag. Ob da nicht trotzdem die ein oder andere Routine-Arbeit mal langweilig wird, will ich wissen. Nein, sagt sie recht bestimmt. Sie wechselt sich einfach mit Ihrer Mitarbeiterin ab. Und manche Sachen, sagt sie verschmitzt, gehören halt einfach auch dazu.

Sie erzählt von Ihrer Ausbildung im Café Oswald in Waging und, dass Sie gleich hinaus wollte, in die „weite Welt“, um Erfahrung zu sammeln. Aber nach nur drei Monaten im Schwarzwald war das Heimweh dann zu groß und ihr blieb gar nichts anderes übrig, als wieder heim zu kommen. So enden Karrieren oft. Nicht aber die von Martina.

Dreieinhalb Jahre hat sie dann in Salzburg gearbeitet und sich in dem Beruf so richtig wohl gefühlt. Nebenbei hat sie auch schon im Keller der Eltern eine kleine Backstube eingerichtet und immer wieder mal kleinere Aufträge bekommen. Die Meisterschule war dann nur der nächste logische Schritt. Bei einer Deutschen Meisterschaft schaffte Martina es auf Anhieb aufs Treppchen. 2008 war das – der dritte Platz. Und dann gab’s da so eine Ausschreibung vom Fernsehen. Martina hat sich beworben und ist jetzt die Haus- und Hof-Konditorin des BR Fernsehens in der beliebten Sendung „Wir in Bayern“.

Und so eine Fernsehsendung ist natürlich eine hervorragende Werbung. Schließlich ist das Programm des BR ja auch über die Grenzen Bayerns hinaus empfangbar. Und das ist wohl auch der Grund, warum zur Ferienzeit viele Urlauber extra nach Traunstorf kommen, um endlich die Spezialitäten des Tortenatelier Harrecker zu genießen. Der Name Huber ist nicht so prägnant, weswegen sie auch im Fernsehen immer noch die Martina Harrecker aus Traunstein ist.

Weil wir natürlich auch probieren dürfen, muss ich einfach fragen: Warum schmecken die Buttercremeschnitten bei ihr ganz besonders gut? Martina lacht und gibt freizügig ihr Geheimnis preis: Nur frische, reine Sauerrahm-Butter aus der Region – keine Pflanzenfette, wie sie sonst zugesetzt werden, um die Haltbarkeit zu verlängern. Das sorgt zwar dafür, dass man schneller verzehren muss, was Martina backt. Aber das ist nicht wirklich ein Nachteil – bei uns ist die Haltbarkeit solcher Köstlichkeiten noch geringer ;-)

Überhaupt versucht Martina immer regionale und saisonale Zutaten zu verwenden, wo es möglich ist. Pfeffer, Mango oder Ananas bekommt sie freilich nicht aus dem Chiemgau.

Eines der Haupt-Geschäfte ist die Herstellung individueller Hochzeitstorten. Natürlich auf Bestellung. Eine besonders verrückte Torte hat Martina für eine Trauung noch nicht backen dürfen. Die Leute, so Martina, sind da eher ganz normal. Hauptsache schön, elegant und natürlich gut. Eine besonders Große hat sie einmal gebacken: Für 200 Gäste musste ein mehrstöckiges Kunstwerk als Dessert herhalten.

Nach den Voraussetzungen gefragt, die sie für ein solches Geschäft, das vor allem auf Qualität statt Quantität baut, überlegt sie kurz, sagt dann aber ganz entschieden, dass man so was nur machen kann, wenn man mit Leib und Seele dabei ist. Die Arbeit darf einfach keine Arbeit sein. Es muss mit Leidenschaft passieren. Und dann sagt sie noch, dass auch eine gute Portion Geschäftssinn dazugehört. Ich frage sie, woher sie den hat. Darauf lächelt sie verlegen und sagt: „Den lern i grod.“

Seit Februar 2015 ist sie verheiratet und hat auch schon ein Kind. Und die Familienplanung war auch der Grund, warum sich Martina zu Hause niederlassen wollte – eben auch beruflich. Der Erfolg, den sie jetzt hat, ist ihr ganz offensichtlich nicht zu Kopf gestiegen. Nach ihren Plänen für die Zukunft gefragt, wirkt sie eher überrascht.

Aktuell beschäftigt sie eine Voll- und eine Teilzeitkraft, bietet also „nur“ 1,5 Arbeitsplätze. Klar, über das Internet wäre noch vieles möglich weil aber ihre Ware wo immer möglich aus frischen und dementsprechend nur kurz haltbaren Zutaten hergestellt wird, macht ein Versandhandel mit ihren Köstlichkeiten kaum Sinn. Und auch was das Wachstum der Vor Ort Konditorei angeht, hat Martina ganz klare Grenzen: Egal, wie es weiter geht – Wachstum ist ok, solange sie noch selbst in der Bachstube stehen darf.